Ist eh nur eine Grippe – wirklich?

Lange habe ich überlegt, ob ich darüber schreibe … die Initialzündung dafür war die ORF-Dok1 „Eh nur eine Grippe“ vom (in meinem Empfinden) sehr integren Journalisten Hanno Settele.

Noch für einige Tage nachzusehen (Stand: 28.11.2020) https://tvthek.orf.at/profile/Dok-1/13844820/Dok-1-Eh-nur-eine-Grippe/14072740

Die darin dokumentierten Geschichten haben mich sehr bewegt, nicht nur weil ich – zumindest auf diesem Wege – einen „alten“ Bekannten wiedergesehen habe.

Warum hat es mich primär so bewegt?

Lass es mich erzählen, direkt aus meinem Herzen und meiner Seele.

Bei mir begann es am 29.12.2019. Ich spürte an diesem Tag, dass ich krank werden würde. Ich kenne mich und mein Lebens-System (Körper, Geist und Seele) ja schon mein ganzes Leben, seit nun ca. 15 Jahren auch sehr bewusst. Die Anzeichen waren offensichtlich.

Wir – meine Frau Michaela und ich – waren mitten in den Vorbereitungen für die 50er-Feier meiner Schwägerin, die am 31.12. stattfand und für die wir das Lokal dekorieren sollten. Ich war überdies als DJ vorgesehen. Ich freute mich schon sehr, die Krankheitssymptome passten mir also so gar nicht in den Kram und deswegen ignorierte ich sie zu Beginn: „Das wird sich schon ausgehen, krank werden kann ich auch im neuen Jahr“. Solch eine Affirmation funktioniert bei mir üblicherweise auch, ich kann damit zwar nicht aufheben, aber zumindest aufschieben …

… doch diesmal nicht. Am nächsten Tag bekam ich schon hohes Fieber und schaffte es gerade noch, die Deko-Utensilien und einen USB-Stick mit Musik ins doch einige Kilometer entfernte Lokal zu schaffen. Unmittelbar danach ging es ins Bett.

Am Sylvestertag merkte ich schon, dass diesmal so einiges anders war. Ich bekam nur schwer Luft und ja, ich hatte das Gefühl, dass ich weniger schmeckte und roch. Auch mein Schmerzempfinden wirkte irgendwie gedämpft.

So verbrachten wir den Jahreswechsel daheim. Kurz vor Mitternacht schaffte ich mit meiner Frau einen kurzen Tanz, um dann gleich wieder ins Bett zu fallen und einzuschlafen. Wir wohnen mitten „in der Pampa“. So war es auch ziemlich ruhig, wobei ich überzeugt bin, ich hätte auch geschlafen, wenn rund um mich die Feuerwerkskörper explodiert wären. Derart bedient fühlte ich mich.

Die nächsten Tage war ich einige Male nahe dran, den Arzt anzurufen (was bei mir so einiges bedeutet!), der Kreislauf spielte verrückt, immer wieder hatte ich Herzprobleme, das Fieber blieb, dazu die Atemnot. Doch ich harrte im Bett aus, schonte und übte mich in Geduld, vertraute den Selbstheilungskräften und der liebevollen ganzheitlichen Betreuung meiner Frau …

… nach über einer Woche ging es mir dann merklich besser und eine weitere Woche darauf verließ ich auch das Haus wieder, um zu einem Meditations-Seminar nach Wien zu fahren … auf noch etwas wackeligen Beinen, doch frohen Mutes!

Ja, so etwas wie die ersten 14 Tage im Jahr 2020 hatte ich noch die erlebt … und es war auch noch nicht alles.

 

Das gesamte weitere Jahr folgten immer wieder gesundheitliche Probleme, ich bin dauermüde und fühle mich eigentlich permanent erschöpft. Immer wieder meldet sich das Herz mit Unregelmässigkeiten und eine Histamin-Intoleranz ist voll ausgebrochen. Geruch, Geschmack und Schmerzempfinden (als wichtiges Signal des Körpers, wenn etwas nicht in Ordnung ist) sind immerhin zurück … so halbwegs.

Ich pendle so zwischen 50% – 70% meiner Fitness von „davor“.

Ich lebe eigentlich seit vielen Jahren grundsätzlich sehr bewusst, rauche nicht, trinke wenig Alkohol (ohne zum Asketen zu werden), bin so oft als möglich in der freien Natur und ich vermeide Stress zumeist „wie der Teufel das Weihwasser“. Als Selbständiger kann ich das eigentlich ganz gut steuern.

Doch richtig fit fühlte ich mich seit Jahresbeginn nie … mit Ausnahme von 14 Tagen am Meer in unserer „2. Heimat“, auf Korfu. Dort half mir offensichtlich die Meeresluft, die Grundwärme und das entspannte Leben …

… und ja, immer wieder erwischt mich eine gewisse psychische Niedergeschlagenheit ob der gesamten Situation, die ich aber dank Werkzeugen aus Meditation und Achtsamkeit im Griff habe. Der oftmalige Aufenthalt in der Natur tut da ein übriges.

Auch beim Schreiben dieser Zeilen fühle ich mich im Anschluss an eine Stunde langsamen Spazierganges körperlich gerade wieder sehr müde … immerhin ist der Geist wach!

Natürlich vermute ich seit März mehr oder weniger, was es da im Dezember bei mir „geschlagen“ hat. Doch was fange ich mit diesem Wissen an? Was ändert es? Ich bin offensichtlich einer jener doch nicht wenigen Menschen, die im Jahr 2020 zwischen „funktionstüchtig“ und „gesund“ pendeln … und es fühlt sich so an, als ob ich noch eine Weile damit zu leben habe. Ich verbringe viel Zeit mit Innenschau und werde daran wachsen.

Vor einigen Wochen fiel mir ein Bericht zu einer italienischen Statistik in die Hände, die nachweist, dass der wahrscheinlich zugrundeliegende Virus zumindest in Italien bereits seit September 2019 unterwegs ist … und nach Österreich ist es da nicht mehr weit …

… „last but definitely not least“ ist im November 2019 ist meine Mama von uns gegangen. Sie war schon sehr lange sehr krank, doch unmittelbar gestorben ist sie dann im Krankenhaus „an einer komischen Sache mit der Lunge“. Das hat ihr Lebens-System nicht mehr verkraftet. So hat es sich angespürt.

In meinen Worten und dieser Aufzählung steckt nicht das Anliegen, mögliche Zusammenhänge herzustellen, ich zeige nicht mit Fingern auf irgendetwas oder irgendjemanden. Es ist mir gleich, was an all diesen Ereignissen in meinem Leben und Umfeld „Schuld“ hat. Ich werde auch, wie es meine berufliche und persönliche Ethik ist, niemanden zurechtweisen, der meint, „der Virus ist eine Erfindung“ oder jenen, die aus Angst kaum noch aus dem Hause gehen und es gar nicht erwarten können, sich impfen zu lassen, „weil dann alles vorbei ist“. All diese Menschen haben ihre Gründe für ihr Verhalten … ebenso wie ich für das Meine.

Doch ich möchte mit meinen Worten bewusst machen, dass wir es mit einer Situation zu tun haben, die wir so bisher nicht kannten. Es ist eine Aufgabe, vielleicht sogar eine Prüfung, für etwas, von dem wir jetzt noch keine Ahnung haben (wie wir auch vor 2020 keine Ahnung hatten, was uns passieren wird).

Als erstes habe ich für mich (natürlich trotz mancher Zweifel, die auf meinem Wissens im Bereich der ganzheitlichen Gesundheit basieren) beschlossen, viele der Maßnahmen – die natürlich auch aus diesen vielen Unbekannten heraus entstanden sind – mitzutragen, für mich selbst, für mein Umfeld, für das Allgemeinwohl. Das ist mein Beitrag im Moment.

Es ist in meinem Empfinden einfach nicht die Zeit für „Schlupflöcher“ und Aufbegehren, das kostet zu viel an Kraft und Energie. Es ist die Zeit für uns selbst, für unsere Gesundheit. Sie ist das höchste Gut.

Die Zeit für die Aufarbeitung des Geschehenen wird kommen und wir alle werden hoffentlich aus unseren Erfahrungen lernen.

Mein Name ist Wolfgang Lugmayr, ich bin Dipl. Meditations- und Achtsamkeitslehrer, Autor und stehe gerne für Erfahrungsaustausch zur Verfügung … wolfgang@lebensquellen.net