Lugnasadh – Leben – Feuer(fest) – HOCHZeit – Erntetanz – Lug(h)mayr 🙂

… und die Sache mit dem Glücksspiel!

Halte dir am Beginn dieses Artikels bitte vor Augen, dass unser Kalenderjahr nicht dem Naturjahr, dem natürliche Lebenszyklus der Natur entspricht. Während wir lt. Kalender gerade einmal die Hälfte des Jahres hinter uns haben, spricht die Natur eine andere Sprache. Das Jahr nähert sich seinem Ende, die Ernte ist bald eingefahren und es beginnt eine Zeit der sich dehnenden Dunkelheit und damit der Innenschau. Es ist an der Zeit, sich Vorräte zu schaffen.

 

Lugnasadh, lt. Kalender der 1. August, läutet langsam aber sicher das Ende des Naturjahres ein. Es beginnt die Transformation zum Jahresende hin (Samhuinn).

 

Lugnasadh (altirisch – ausgesprochen „loo-nus-uh“), „Lunasa“ (Irisch-Gälisch), oder „Lammas“ (Schottisch-Gälisch) scheint auf den ersten Blick ein männliches Fest, es ist das Fest des „Lugh“.

 

Lugh (die Ähnlichkeit zum römischen „Lux“ – „Licht“ – scheint klar) entstand aus der älteren Gottheit Balor (Baal) und war der Anführer der Gefolgschaft der Göttin Dana, der keltischen Muttergottheit. Als dieser Anführer war er bewandert in allen in der damaligen Welt bekannten Künsten, er war auch als „Löwe mit dem ruhigen/beständigen Hand“ bekannt.

 

Lugh hatte eine ihm sehr verbundene Pflegemutter namens Tailtiu (die Frau des letzten Königs der Fir Bolg, lt. Legenden einer Rasse von Riesen), die so etwas wie die Urmutter aller Schaffer von fruchtbarem Ackerland in Irland war … damit ist auch der weibliche Ursprung gegeben.

Tailtiu starb an einem (lt. heutigem Kalender) 1. August bei der Feldarbeit an Erschöpfung („Burn-Out“ ist also keine Erfindung der Neuzeit … zum Feuer kommen wir noch 😉 ) und Lugh begründete ihr zu ihren Ehren „Heilige Spiele“ in Teltown/Grafschaft Meath (dem Sterbeort der Tailtiu), die weit über die Grenzen des damaligen Irland bekannt wurden. Mittelpunkt war ein „Heiliges Feuer“ …

… so die Sage, die den Kern der Wahrheit in sich trägt.

eblieben ist bis heute ein Fest zum Erntebeginn, bei dem auf Hügeln grosse Feuer entzündet werden. Das Feuer ist die Reminiszenz an die Heiligen Spiele zu Ehren der Tailtiu … und diese Idee lebt auch bis heute bei den Olympischen Spielen fort.

 

Die Bedeutung des Festes zu Ehren von Lugh, vor allem auf den Britischen Inseln – an der Quelle der alt-europäischen Kulturen – wird klar, wenn man sich bewusst macht, daß die Hügel, auf denen die Feuer entzündet wurden, extra für diesen Anlaß aufgeschüttet bzw. erweitert wurden. So soll zum Beispiel Silbury Hill nahe Avebury (ein grandioser Ort, den wir bereits besuchen durften) aus diesem Grund entstanden sein, aber auch bei Tor von Glastonbury kann ein Zusammenhang zumindest erahnt werden und einige Hügel in Mitteleuropa („die in dieser Form irgendwie gar nicht in die Landschaft passen“) könnten durchaus dem selben Zweck gedient haben.

 

Die Hügel sind deswegen von so grosser Bedeutung, weil sie die Menschen näher an die Sonne brachten, im Schweiße des eigenen Angesichts. Durch das Feuer wurde eine Verbindung zwischen Sonne/Licht (Lux/Lugh – männlich) und Erde – Mutter Erde (weiblich) – hergestellt … was man auch noch weit entfernt sehen konnte. Die Sonne hat, gemeinsam mit der Erde, die Ernte erst ermöglicht.

Im keltischen Jahreszyklus gibt es einen Zyklus von 4 Feuerfesten. Imbolc ist der Beginn, es folgen Beltane und Litha. Lugnasadh stellt den Höhepunkt dar – 4 Feste, 4 Elemente … Samhuinn, das 5. Element – schliesst alles ab – das Ende des Naturjahres. Die Verbindung ist hier immer das Feuer, das die Menschen seit Urzeiten vor allem Nachts am Leben hielt, als Feuerstelle auch Mittelpunkt des häuslichen Lebens war.

 

Lugnasadh wurde mit vieler Art von Spielen gefeiert und es war eine Zeit der HochZEITen (die Verbindung von Weiblich und Männlich). Diese Hochzeiten hatten die Besonderheit, dass sie für ein Jahr und einen Tag geschlossen wurden. Wenn man nach einem Jahr merkte, dass es „nicht passt“, konnte die Bindung – wieder an Lugnasadh – durch ein vorgegebenes Ritual (man stand Rücken an Rücken und ging dann auseinander) gelöst werden … wenn nicht, galt diese Hochzeit für immer.

 

Es gibt natürlich noch viele weitere Deutungen von Lugnasadh und du wirst möglicherweise in der gesamten nördlichen Hemisphäre (in der Südlichen Hemisphäre wird am 1. Februar gefeiert) rund um den 1. August Feste entdecken, deren Ursprung aus ähnlichen Quellen stammt … Menschen feiern einfach gerne Feste … und die Bedeutung dieser Feste wird umso klarer, wenn man sich bewusst macht, wie fest die Menschen in der damaligen Zeit mit der Natur, ihren Elementen und Jahreszeiten verwurzelt waren. Wurde das Sonnenlicht weniger, war dies ein Zeichen und von essentieller Bedeutung für das Überleben. Es mussten Vorräte für den Winter angelegt werden … dies passierte nun im Anschluss an dieses Fest im Herbst …

 

… z.B. gibt es einen alten, lokalen Brauch in Teilen von Österreich. Wenn rund um den Erntedank in einem Dorf ein Mann und eine Frau noch alleine waren („Single“, so sagt man heute), wurden sie angehalten, den Winter (und darüber hinaus) in einem gemeinsamen Haushalt zu verbringen, so sich auch gegenseitig das Überleben zu sichern. In der Dorfgemeinschaft zählte jedes Leben. Falls sie Gefallen an diesem Zusammenleben finden („die langen Winternächte und so …“), konnten sie dann zur gleichen Zeit im nächsten Jahr offiziell heiraten.

 

Zu guter Letzt sei noch angemerkt, dass Lugh auch eine Gottheit der Künste und des Handwerks war/ist … und er stand immer für STANDhaftigkeit. Einige (ehemals befestigte) Städte sind ebenso nach ihm benannt … Lyon (Lugdunum), Luzern, Leiden (Lugdunum Batavorum).

Du kannst auch gerne selbst weiterforschen … es gibt einiges in diesem Zusammenhang zu entdecken … es ist vieles noch da aus der ursprünglichen, europäischen Kultur.

Was kannst du an diesem Tag tun?

 

  • Lade Freunde zum Abendessen ein, am besten an ein Lagerfeuer
  • Feiere an diesem Tag bewusst einen grossen Erfolg, den du im Laufe des Jahres errungen hast
  • Lass dir die Haare schneiden
  • Übe dich im Glücksspiel, Spiele z.B. Lotto (Transformation!)
  • Informiere dich über Steuervorteile, die du bisher möglicherweise übersehen hast

 

Übe dich in einer Tanzmeditation: Stell dir vor, du bist in einem Kornfeld (oder begib dich ein Kornfeld, wenn du die Möglichkeit hast), beobachte was dort rund um dich geschieht, wie sich das Korn im Wind bewegt. Berühre das Korn, den Weizen (mit deinem Inneren Auge oder in Echt). Beginne dann deinen Korntanz, lass dich leiten, sei das Korn/der Weizen. Sei achtsam dabei, vor allem auch, wenn du wirklich in einem Feld bist.

 

Es gibt bei Lugnasadh Assoziationen zu:

Ernte, Vervollständigung, Lagerung, Transformation, Loslassen, Gold, Orange, Rot-Braun, Lila, Weizen, Brot

 

… UND ICH WEISS NUN, WARUM ICH DEN NAMEN LUG(H)MAYR ANGENOMMEN HABE – WELCH KRAFT 🙂

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Wolfgang Lugmayr

Der Autor dieses Beitrages, Wolfgang Lugmayr, ist Dipl. Meditations-/Achtsamkeitslehrer und Autor. Aktuell absolviert er eine Druiden-Ausbildung bei einer großen, englischen Druidenschule. Gemeinsam mit seiner Frau Michaela bietet er unter anderem Rituale und Meditationen in der Tradition der alten europäischen Kulturen an, im „Hain der Sinne“ nahe Schlierbach/Oberösterreich.