Missverständnis Achtsamkeit

Was für einen Titel habe ich diesem Beitrag gegeben und dieser ist keine reißerische Ankündigung, um dich zum Weiterlesen zu animieren, sondern ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Wie kommt das?

Es geht um den Begriff und das Verständnis dazu.

Die Verwendung des Begriffes „Achtsamkeit“ für den aktuellen, allgegenwärtigen Lifestyle-Trend – mit dem Ziel der Erreichung eines Zustandes möglichst wertfreier „Geistesgegenwart“ – kann durchaus missverständlich sein.

„Achtsamkeit“, ein in der deutschen Sprache bereits lange existierender Begriff, hält nämlich seit ca. 20 Jahren zusätzlich als Übersetzung für „mindfulness“ her.

Sehen wir uns das Wort „mind“ einmal näher an – es kann mit „Geist“ UND „Verstand“ übersetzt werden …

… autsch …

Nehmen wir „Full(ness)“ dazu, dieses Wort steht für „Fülle“ oder „Vollständigkeit„. bleibt dann als Übersetzung

Geistesfülle“ oder auch „Verstandsfülle„.

Nun wissen wir, dass ein „voller Geist“ nicht unbedingt im Einklang mit deinem „vollem Verstand“ stehen muss, oder umgekehrt … es kann sogar sein, dass sich diese beiden Pole vollständig ausschließen, vor allem wenn man die feinstoffliche Ebene betrachtet und dort findet „mindfulness“ vorrangig statt …

… gar nicht so leicht zu übersetzen, vor allem wenn man mit einbezieht, daß es der eher „verstandslastigen“ deutschen Sprache gelegentlich an Begrifflichkeiten für das fehlt, was über den Verstand hinausgeht.

Man hat also beschlossen, den Begriff „Achtsamkeit“ zu verwenden, wer auch immer, warum auch immer … was bleibt, ist der Begriff …

… ein Begriff, der immer schon für

„Zuerst der Andere, dann Ich“

stand („Bitte sei achtsam und überlasse deinen Sitzplazt jenen, die ihn nötiger brauchen„, hallt es durch öffentliche Verkehrsmittel), während „mindfulness“ eher von

„Zuerst Ich, dann der Andere“

ausgeht, in der Art und Weise von: „Nur wenn es mir gut geht, kann ich auch zum Wohlbefinden Anderer beitragen“ …

… und damit sind wir beim möglichen Missverständis, wir haben hier unterschiedliche Mindsets, ja Weltanschauungen vor uns.

Wirklich glücklich ist mit dem Begriff „Achtsamkeit“ in diesem Zusammenhang kaum jemand, der mit dem Thema näher beschäftigt ist.

Der grösste Verband für Achtsamkeit im deutschsprachigen Raum (ÖBAM, VSAM, AHMS) löst das sehr elegant. Auf der Homepage ist zu lesen: „Die Verbände für Achtsamkeit und Mindfulness in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ … man verwendet einfach beide Begriffe.

Mir wurde vor einigen Jahren die Bezeichnung „Dipl. Meditations- und Achtsamkeitslehrer“ verliehen … was liegt, das pickt … wie man so schön sagt. Ich bin bei der Beschreibung der Grundlagen von „mindfulness“ inzwischen auf die Begrifflichkeit „Neue Achtsamkeit“ übergegangen. Das signalisiert zumindest, dass es der Begriff hinterfragenswert ist.

Im Endeffekt geht es bei der „Neuen Achtsamkeit“ auch um Wertfreiheit, auch von zu viel Begrifflichkeit … und dieser Prozess kann beginnen, wenn er uns bewusst geworden ist.

Es beginnt in uns!

Bild von DAMIAN NIOLET auf Pixabay – Vielen Dank!