Nichts zu verbergen? Eine Ansichtssache …

Seit den frühen 80er (des vergangenen Jahrhunderts) beschäftigt mich das Thema EDV, viele Jahre auch unmittelbar beruflich. Was habe ich in dieser Zeit nicht alles an rasantem „Fortschritt“ in diesem Umfeld erlebt.

Seit 2001 (bis etwa 2018) hatte ich schwerpunktmäßig immer wieder mit der technischen Umsetzung von Gesetzes-/Verordnungstexten zu tun, vorrangig in Softwarelösungen, wofür naturgemäß auch profundes fachliches Wissen notwendig ist. Während dieser Zeit habe ich ein Gespür und Grundverständnis für solche Texte aufgebaut …

… neben Verordnungstexten aus dem Finanzumfeld auch z. B. für die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), eine Verordnung, die wie kaum ein andere zu unser aller Nutzen entwickelt wurde, in einer Zeit, in der uns die Digitalisierung unserer Grundrechte zu entledigen droht und zwar in einem außergewöhnlichen Tempo.

Doch ist „uns“ – einer breiten Mehrheit der Gesellschaft – das entweder nicht bewusst oder herzlich egal, z. B. das sensible Gesundheitsdaten bald nahezu frei verfügbar in einfach einlesbaren QR-Codes als „Eintrittskarten“ für Gast- oder Veranstaltungsstätten dienen, ein offensichtlicher Verstoß gegen Datenschutzrichtlinien, von ethischen Fragen dabei noch gar nicht zu reden.

Während sich hier immerhin noch etwas Widerstand regt (in Österreich z. B. durch epicenter.works), ist es heute selbstverständlich geworden, dass wir unsere Daten zu beinahe jeder sich bietenden Gelegenheit zur Verfügung stellen, oft uns unbekannten Unternehmen, die uns dafür eine – nur auf den ersten Blick – „kostenfreie“ App für Smartphone und Tablet verwenden lassen. Auf den zweiten Blick zahlen wir mit unseren persönlichen Daten und Dritten verdienen damit fleißig Geld … zwar in diesem Fall nicht strafbar, doch ethisch höchst bedenklich.

Die DSGVO, jenes Gesetz, das uns auf lange Sicht vor Missbrauch unserer Daten schützen könnte, ist uns einfach nur lästig. Es ist einfach egal, dass man im Internet über nahezu alle unsere Handlungen informiert ist und der Rest über – von unseren Daten gefütterte – Algorithmen errechnet wird.

Warum ist das so?

Warum höre ich so oft den Spruch: „Ist doch vollkommen egal, ich habe eh nichts zu verbergen“.

Wir hatten – im Vergleich zu anderen Entwicklungen in der menschlichen Gesellschaft – in den vergangenen 25 Jahren (so lange, oder eher kurz, gibt es das frei zugängliche Internet) kaum die Zeit, ein Bewusstsein für den Wert unserer persönlichen, für das Internet und andere elektronischen Medien digitalisierten Daten aufzubauen, von der Entwicklung einer entsprechenden Ethik ganz zu schweigen. Es ist ein von profitorientierten Kreisen – bewusst hochgehaltenes – atemberaubendes Tempo, mit dem uns die Digitalisierung inzwischen überrollt, verpackt in „fach-chinesische“ Erklärungen, um den Schein von Information zu wahren. Ehe wir zum Nachdenken kommen, sind neue Standards gesetzt, die unser Leben bestimmen … wie eben mit dem „Grünen Pass“.

Inzwischen darf sich der – so fern noch vorhandene – gesunde, analoge Menschenverstand fragen, ob der analoge Mensch zwischen den digitalen Menschen überhaupt noch einen Platz findet, einem freien, selbstbestimmten Leben in dieser digitalen Welt inklusive.

Das Thema ist also wesentlich vielschichtiger als die Klärung der Frage, „ob man etwas zu verbergen hat“.

Nicht nur führt uns der Umgang mit dem Internet in ein Suchtverhalten (man beobachte nur, was Menschen heute so tun, wenn sie nur fünf Minuten „Zeit haben“), wird uns doch inzwischen beinahe alles von digitalen Helferleins abgenommen, z. B. den eigenen Weg an ein Ziel zu finden oder eine Pflanze im Wald zu erkennen. Unsere Instinkte verkümmern dabei.

Ist das wirklich unser Ziel, unser aller Sinn und Zweck als menschliche Wesen oder wäre es nicht an der Zeit, ein entsprechendes Bewusstsein bzw. Mindset aufzubauen, um unseren tatsächlichen Wert zu erkennen? Warum haben wir als Menschen wohl dieses wunderbare Geschenk von Intellekt, Intuition und Kreativität erhalten ,…. nur um das alles zu digitalisieren und dann das zu tun, was man uns sagt … im extremen Fall ein Roboter oder eine Software? Wohl kaum …

… eben, für ein Leben als nach wie vor analoger Mensch mit all seinen wunderbaren Möglichkeiten brauchen wir unsere (Entscheidungs)Freiheiten (zurück), ganz bewusst und mit allen Sinnen gelebt, erfüllt von natürlicher Intelligenz.

Mensch SEIN beginnt in uns … die EDV (inzwischen IT) darf gerne bleiben, als Werkzeug für dieses Leben, nicht als Antrieb!

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Bild von Sasin Tipchai auf Pixabay