WhatsApp oder doch nicht?

WhatsApp … oder doch ein anderer Messenger … oder gar keiner mehr?

Vielleicht hast du beim Starten der App „WhatsApp“ schon die Info gesehen, dass sich mit 8. Februar 2021 (Update 16.1.2021: ab 15. Mai 2021) etwas an den Nutzungsbestimmungen ändern wird. Spätestens an diesem Tag stehst du nämlich vor der Entscheidung: „Nutze ich WhatsApp weiterhin oder nicht mehr?“. An diesem Tag tritt nämlich offiziell die Vorgehensweise in Kraft, dass deine Nutzerdaten (somit auch persönliche Daten wie Telefonnummer) aus WhatsApp auch für u.a. Werbezwecke von Facebook (dem Eigentümer von WhatsApp) verwendet werden dürfen. Darauf kannst du nur mit „Zustimmen“ oder „Ich verwende WhatsApp nicht mehr“ reagieren.

Die Entscheidung, diese Vorgehensweise zu akzeptieren oder nicht, liegt ganz bei uns selbst. Ich habe (auch aus tiefergehenden Erfahrungen in den letzten Jahren) beschlossen, die neuen Nutzungsbestimmungen NICHT zu akzeptieren, stehe somit – wie zahlreiche andere Menschen, die genauso agieren – vor der Entscheidung:

Welchen Messenger soll ich verwenden?

Drei Alternativen stehen gerade im Raum: Telegram, Signal und Threema. Gerne teile ich hier meine Empfindungen – und auch meine Entscheidung – mit dir. Anmerkung: Den Messenger von Facebook lasse ich bei dieser Gegenüberstellung bewusst aussen vor, da er unmittelbar mit dem Facebook-Netzwerk verknüpft ist und damit der Austausch von persönlichen Daten aufgrund des grundsätzlichen Umganges dieses Unternehmens mit persönlichen Daten für mich im Vorhinein ausgeschlossen ist.

Telegram schliesse ich für mich ebenso aus. Ich habe es einige Tage getestet und es fühlt sich – neben massiven Datenschutz- und Sicherheitsbedenken („Von Datenschutz fehlt jede Spur“, „Der sichere Datenschutz-Alptraum“ wie z.B. in Testberichten zu lesen ist), z.B. gibt es keine durchgängige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – einfach nicht gut an, nicht stimmig. Auch habe ich aufgrund vieler Inhalte auf Telegram ethische Bedenken, was aber an dieser Stelle für mich kein direktes Entscheidungskriterium darstellt – aufgrund der Meinungsfreiheit, die mir ein hohes Gut ist.

Signal schien mir auf den ersten Blick eine gute Alternative, allerdings habe ich vor der Verwendung einen zweiten und dritten Blick gewagt und damit schied für mich auch diese Alternative aus. Signal kostet nichts, „sogar Edward Snowden verwendet Signal“, „Signal verschlüsselt die Daten end-to-end“ … alles sehr fein, allerdings stehen die Server dieses Services in den USA, fallen damit in den Cloud-Act, nicht unter die europäische Datenschutzrichtlinie DSGVO (Datenschutzthema!) und die Organisation, die hinter Signal steht, ist spendenfinanziert (u.a. vom WhatsApp-Gründer). Nachdem ich bei der Verwendung eines Messengers auch an berufliche Belange denke, stelle ich mir vor allem die Frage: „Was ist, wenn die Spenden einmal ausbleiben, wie geht es dann weiter?“. Schliesslich benötigt man zur Registrierung und Anmeldung eine E-Mail-Adresse, damit werden diese persönlichen Daten durchgängig offengelegt. Ich werde aus diesen Gründen Signal nicht verwenden.

Bleibt Threema, ein Service aus der Schweiz – und wahrscheinlich der am wenigsten bekannte der drei Messenger. Dieser Service (den ich schon einige Jahre zusätzlich zu WhatsApp verwende) hat eine Reihe von Vorteilen. Erstens bezahlt man dafür (EUR 4,–), es steht also unmittelbar Leistung für Gegenleistung (für mich – in intrasparenten Zeiten wie diesen – ein Plus, da das Risiko von versteckten Geschäftsmodellen reduziert ist). Die Server, auf denen Daten gespeichert werden, stehen ausschliesslich in der Schweiz und das Service ist 100% DSGVO-konform und drittens – last but not least – dieses Service kann man zwar die E-Mail-Adresse bei der Registrierung angeben, sie wird aber nicht (wie z.B. bei Signal oder auch dem FB-Messenger) mit den Anmeldedaten verknüft. Damit hinterlässt man bei der Anmeldung KEINE (sicherheitskritische) Datenspur.

Aus diesen Gründen habe ich mich für Threema entschieden …

… nachdem ich mich – um einen weiteren Achtsamkeitsaspekt mit einfliessen zu lassen – gefragt habe: „Brauche ich überhaupt einen solchen Messenger?“ … meine Antwort war JA, aus beruflichen Gründen und um hin und wieder Fotos auszutauschen.

Ob diesen Service auch andere Menschen nutzen? Diese Frage war nicht Teil meiner eigenen Entscheidung, weil ich nicht beeinflussen kann – und auch nicht möchte – was andere Menschen tun. Fotos kann ich ggf. auch auf anderen Plattformen übermitteln und wichtige Informationen erreichen mich auch auf anderen Wegen, wenn es sein soll. Ich habe immer Alternativen …

… und ja, ich wurde schon einige Male gefragt: Warum ist dir das überhaupt so wichtig?. Meine Antwort darauf ist: weil ich eben so bin, weil mir Ethik wichtig ist und weil ich weiss, dass alles Sein und Tun, das ich mir von meiner Umwelt wünsche, in mir selbst beginnt.

Hast du Fragen zu diesem Thema oder ähnlichen? Dann freue ich mich auf die Buchung einer Sprechstunde zur Achtsamen Informationstechnologie.

Kontakt: wolfgang@lebensquellen.net

Wolfgang Lugmayr
Dipl. Meditations- und Achtsamkeitslehrer, Autor und Impulsgeber